Litzelstetten - ein Konstanzer Teilort

Litzelstetten wurde im 5./6. Jahrhundert nach Chr. durch alemannische Siedler gegründet. Es gehörte wohl zu jenem fränkischen Königshof in Bodman, dem der gesamte heutige Bodanrück unterstand.

Im Jahr 839 werden laut einer Urkunde erste Litzelstetter Gemarkungen ("Luzzilonsteti") an die Abtei Reichenau geschenkt - 887 wurde von "Villa Lucilonstete" geschrieben.

Vom Litzelstetter Hausberg, dem 508 m hohen Purren, hat man einen eindrucksvollen Blick auf den Bodensee mit der Insel Mainau und auf die Alpen - und er ist Ausgangspunkt vieler Wanderwege.

Heute hat Litzelstetten etwa 5000 Einwohner und ist als Wohnort und auch bei Urlaubern und Besuchern beliebt, da es - neben Ferien-Zimmern und -Wohnungen - auch über Hotels, Gasthöfe und Restaurants, Tankstelle, Supermarkt, Bäckerei, Fleischerei, Apotheke, Drogeriemarkt sowie einen Campingplatz und ein Strandbad verfügt.

Seit den 30er Jahren wurde Litzelstetten vor allem durch die benachbarte Blumeninsel Mainau bekannt.

Eine Besonderheit hat Litzelstetten aber noch zu bieten: von 1875 bis 1912 lebte hier der Prälat Johann Martin Schleyer (ein Urgroßonkel des ermordeten Arbeitgeber-Präsidenten) - er 'erfand' hier 1879 die Kunstsprache "Volapük".

Diese Kunstsprache begann sich zuerst weltweit auszubreiten, sie wurde aber später von der Weltsprache "Esperanto" überrollt, welche ein polnischer Augenarzt 1887 in Warschau vorstellte.

Eine Gedenktafel am Pfarrhaus in Litzelstetten (links im Bild) erinnert heute noch an Volapük und ihren Erfinder, und nach ihr ist auch ein Hotel-Restaurant in Litzelstetten benannt.

Der Fanfarenzug in Aktion Die alemannische Fasnet wird natürlich auch in Litzelstetten kräftig gefeiert - der Narrenverein "Kuckuck" wurde 1952 gegründet und ist sehr aktiv, wobei er von dem seit 1976 bestehenden - weltweit bekannten - Fanfarenzug "Kuckuck" tatkräftig unterstützt wird.
Seine weiteste Reise unternahm der Fanfarenzug 1981, als er beim Dogwood-Festival in Quincy/USA auftrat - aber auch beim Blumen-Corso in Nizza war er schon zweimal dabei.

Chronik von Litzelstetten und Insel Mainau

Um 3000 v.Chr.: Aus dieser Zeit früher Besiedelung des Bodenseeufers stammt auch die aus sechs Häusern bestehende Siedlung auf der Insel Mainau, die nach 1930 am Südufer der Insel freigelegt wird.

15 v. Chr.:. Das von den Rätern bewohnte Land rund um den Bodensee wird römisch, darunter auch die Mainau. Hier befinden sich ein Kastell, auch eine Schiffswerft und eine Flottenbasis des Feldherrn Tiberius.

5./6. Jh. n. Chr.: Litzelstetten wird durch alemannische Siedler gegründet. Es gehörte wohl zu jenem fränkischen Königshof in Bodman, dem der gesamte heutige Bodanrück unterstand.

5./6. Jh. n. Chr.: Die strategisch wertvolle Mainau wird alemannisches Herzogsgut und später Teil eines fränkischen, von Bodman aus verwalteten Königsguts.

724: Die Mainau geht neben anderen Landstreifen des Bodanrück als Geschenk an das mächtige Kloster Reichenau.

839: Es werden laut einer Urkunde erste Litzelstetter Gemarkungen ("Luzzilonsteti") an die Abtei Reichenau geschenkt.

887: Es wird von "Villa Lucilonstete" geschrieben.

946: König Ludwig der Fromme schenkt alles Königsgut in Litzelstetten der Abtei Reichenau.

1271: Die Mainau wird von dem auf der Reichenau ansässigen Arnold von Langenstein eigenmächtig an die Deutschherren weiter verschenkt.

1272: Das ursprünglich in Sandegg (Thurgau/Schweiz) ansässige Deutschordenshaus wird auf die Mainau verlegt. Die Burganlage wird ausgebaut. Dank eines fortschrittlichen Beamtenwesens und mit zunehmender Macht der Komture nimmt auch der Einfluß des Ordens insgesamt zu, was auch für die Mainau-Komture gilt.
Dort saßen nun die Herren, welche über große Teile Litzelstettens zu gebieten hatten - sie kamen 1272 durch ein schiedsrichterliches Urteil an die Besitzrechte über Litzelstetten.

1414: Es wird der erste Litzelstetter Gastwirt verbürgt.

1647: Im 30jährigen Krieg gelangt die Mainau nach einer verheerenden Niederlage gegen die Schweden für einige Monate in deren Besitz. Unter Mitnahme alles Wertvollen - nur das sog. "Schwedenkreuz" bleibt zurück - ziehen die Schweden 1649 von der Insel wieder ab .
Das Schloss auf der Insel Mainau

1732: Nach langsamer Erholung vom Kriegsgeschehen beginnt der Ordensbaumeister Johann Caspar Bagnato mit dem Bau der neuen Schloßkirche. Sie wird 1739 geweiht.

1739: Baubeginn des neuen Schlosses - mit der Durchführung wird wiederum Bagnato beauftragt. Nach 7jähriger Bauzeit wird das Deutschordensschloß 1746 vollendet.

1806: Die Deutschordenskommende wird aufgelöst und fällt mit allen Besitztümern an das neu gegründete Großherzogtum Baden.

1827: Fürst Nikolaus von Esterházy kauft die Insel, nachdem sie zuvor öfter den Besitzer gewechselt hatte. Er siedelt hier bereits zahlreiche seltene Pflanzen an.

1853: Der spätere Großherzog Friedrich I. von Baden erwirbt die Mainau, die er ordnet und ausbaut mit den Schwerpunkten "Arboretum", "Italienischer Rosengarten" und "Orangerie". Von seinen Reisen bringt der Großherzog viele wertvolle Bäume und Exoten mit und schafft somit eine neue Parklandschaft, die Basis für den heutigen Park.

1856: Heirat des Großherzogs mit Prinzessin Luise, Tochter des späteren Kaisers Wilhelm I. von Preußen. Sie sind die Urgroßeltern des heutigen Inselbesitzers Graf Lennart Bernadotte.

Mit der Großherzoglichen Familie, die ihre Sommertage auf der Insel verbrachte, kamen die Litzelstetter Bürger offenbar besser zurecht als mit den früheren Deutschordens-Rittern - jedenfalls war die Herzogin Luise sehr beliebt im Dorf.

1907: Tod des Großherzogs. Die Mainau fällt an dessen Sohn, Großherzog Friedrich II., der sie seiner Schwester Viktoria, Königin von Schweden, vermacht.

1909: Geburt von Prinz Lennart Nicolaus Paul, Erbfürst von Schweden, Herzog von Smarland, Sohn des Prinzen Wilhelm von Schweden und der russischen Großfürstin Maria Pawlowna.

1930: Tod von Königin Viktoria. Die Mainau fällt bestimmungsgemäß an ihren Sohn Prinz Wilhelm von Schweden.

1932: Prinz Wilhelm überträgt die Verwaltung der Mainau seinem Sohn, Prinz Lennart.
Als dieser wegen seiner Heirat mit einer Bürgerlichen auf sämtliche Titel und eine mögliche Thronfolge verzichtet, macht er im gleichen Jahr die Mainau zu seinem neuen Zuhause - unter dem bürgerlichen Namen Lennart Bernadotte.
Von nun an widmet er sich konsequent ihrer Neugestaltung, öffnet sie dem Publikum und nimmt ständig Verbesserungen und Modernisierungen vor.
Heute ist die Blumen-Insel Mainau das größte touristische Unternehmen am internationalen Bodensee.

1936: Litzelstetten wird dem Landkreis Konstanz zugeordnet.

1951: Lennart Bernadotte erhält den luxemburgischen Titel eines Grafen »von Wisborg« . Er erhält den Titel »af« (schwedisch=»von«) durch der König von Schweden.

1952: Die Narrenzunft "Kuckuck" wird gegründet.

1961: Verabschiedung der sog. Grünen Charta, in der die Mainau sich bereits deutlich zu einer umweltbezogenen Arbeit bekennt.

1971: Litzelstetten wird (freiwillig - d.h. drei Jahre vor der allgemeinen Gebietsreform) ein Ortsteil von Konstanz mit eigener Orts-Verwaltung. Zu dieser Zeit hatte in Litzelstetten bereits ein Bauboom eingesetzt, vor allem im Zusammenhang mit der Universitäts-Gründung.

1976: Der Fanfarenzug "Kuckuck" wird gegründet.

1998: Die Mainau erhält das Öko-Audit-Zertifikat als erster botanischer Garten Europas.

2003: Die Insel Mainau wird "Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung".

2004: Seit dem 23. Juni 2004 ist Litzelstetten "Erholungsort"

2004: Am 21. Dezember stirbt Graf Lennart Bernadotte im Alter von 95 Jahren auf seiner Blumeninsel Mainau.

Dieser Text stammt aus der Feder von: J. Schilling.